Häufig werde ich gefragt, wie man sein eigenes Bier herstellt. Da es keine allgemeingültige Antwort darauf geben kann, habe ich versucht die wichtigsten Prozessschritte oberflächlich nach bestem Wissen und eigenen Erfahrungen zu beschreiben. Das schreibe ich auch ganz bewusst so, da es nicht umsonst anerkannte Ausbildungsberufe bzw. Studiengänge zu diesem Thema gibt. Detailliertes Wissen kann man in einschlägiger Literatur erwerben oder natürlich im Hobbybrauerforum!

Was soll es werden? Obergärig oder untergärig? Ein Lager, ein Pils, ein Kölsch, ein Weizen, ein Pale Ale oder doch lieber ein Stout? Eine umfassende Datenbank zu diversen Bierstilen und Rezepturen findest du hier:

https://www.maischemalzundmehr.de/



EINKAUFEN



MAHLEN

Zum Bier brauen benötigst du geschrotetes Malz. Wenn du keine Malzmühle /-quetsche hast, kannst du das Malz auch fertig geschrotet von den oben genannten Shops beziehen. 



MAISCHEN

In diesem Teilprozess soll der vergärbare Zucker aus der Stärke des Malzes gelöst werden. Der vergärbare Zucker ist später die Grundlage für die Hefe, um daraus Alkohol und Kohlendioxid zu produzieren.  Im Allgemeinen unterscheidet man folgende Rasten, die je nach Rezeptur unterschiedlich lang zum Einsatz kommen.

Rast Beschreibung
Einmaischen  je nach Rezeptur
Glukanaserast 35°C - 40°C
Weizenrast 45°C - 48°C
Eiweißrast 50°C - 58°C
Maltoserast 60°C - 68°C
Verzuckerung 68°C - 76°C
Abmaischen 78°C

Damit die Temperatur möglichst homogen im Braukessel verteilt ist, muss gerührt werden. Dazu eignen sich Rührwerke hervorragend. Ist der Maischvorgang abgeschlossen, hast du deine Würze gewonnen.



LÄUTERN

Einfach gesprochen, möchtest du in diesem Schritt deine Würze von den Feststoffen trennen. Dein Malz ist jetzt ausgelaugt. Jetzt heißt dieses Treber, und die Stärke wurde in vergärbaren Zucker umgewandelt. Um auch wirklich den letzten vergärbaren Zucker herauszuwaschen, schüttest du dein Nachgusswasser über den Treber. Lasse dich nicht hetzen. Beim Läutern ist Geduld gefragt. Der Läuterfreund oder der Malzkorb eignen sich hervorragend für diesen Vorgang.



KOCHEN

Die Kochung der Würze hat mehrere Gründe. Hier werden die verschiedenen Hopfen hinzugegeben. Der Hopfen bringt zusätzlichen Geschmack, Bittere und Aromastoffe in die Würze. Gleichzeitig wird bei einer Kochdauer von ca. 60 - 90 Minuten die Würze haltbar gemacht. Während des Kochens entsteht auch der Heißtrub aus denaturierten Eiweißen. Das Kochen sollte so durchgeführt werden, dass der entstehende Dampf aus dem Kessel entweichen kann. Andernfalls können unerwünschte Geschmäcker im späteren Bier vorhanden sein.



WHIRLPOOL

Mit einem langen Paddel kannst du nach dem Kochen den Whirlpool andrehen. Die Würze wird in Rotation versetzt und die nicht gelösten Teile, wie zum Beispiel der Hopfen und das ausgefällte Eiweiß, sammeln sich im Trubkegel auf dem Boden des Braukessels an. Dieser Vorgang erleichert dir das Abseihen in deinen Gärbottich. 



KÜHLEN

Im Hobbybrauerbereich haben sich zwei Methoden zum Herunterkühlen der Würze durchgesetzt. Entweder kühlt man die Würze mit einer Kühlspirale oder einem Plattenwärmetauscher auf die Anstelltemperatur herunter. Die Anstelltemperatur wird benötigt, damit die Hefe Ihre Arbeit aufnehmen kann. Ab jetzt befinden wir uns im Kaltbereich deiner Brauerei und deine Würze ist höchst anfällig für Kontaminationen. Deshalb muss spätestens jetzt äußerst sauber gearbeitet werden.

 



GÄREN

Neben der Würzeherstellung ist die Vergärung der Würze ein ganz entscheidender Schritt im Herstellungsprozess deines Bieres. Es gibt nicht umsonst den Spruch: "Der Brauer macht die Würze, die Hefe das Bier." Ein kontrollierter Gärverlauf ist hier immens wichtig, damit keine unerwünschten Nebenprodukte entstehen, die dein Bier geschmacklich negativ beeinflussen. Daher bietet es sich an, die Gärung in einem kontrollierten und temperierten Umfeld durchzuführen.



ABFÜLLEN

Welche Gebindegröße bevorzugst du? Sollen es Bügelverschlussflaschen, Flaschen mit Kronkorken, Fässer mit bayrischem Anstich oder doch lieber Kegs sein? Je nach Bier, Anlass und eigenem Trinkverhalten entscheidest du, wie du die Nachgärung deines Jungbiers und die Lagerung durchführst.



GENIEßEN

Du hast jetzt viel Herzblut in die Herstellung deines eigenen Bieres gesteckt. Die größten Tugenden eines Hobbybrauers sind gewissenhaftes Arbeiten und Geduld. Dein Bier entsteht nicht über Nacht. Es kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern bis sich die verschiedenen Geschmäcker optimal entfalten. Deshalb ist es immer wieder ein Hochgenuss seine eigene Kreation nach harter Arbeit zu genießen!

 

In diesem Sinne: Prost!